Dorothea Trudel und das Bibelheim

Vor 170 Jahren reisten Menschen aus dem In- und Ausland nach Männedorf, um Dorothea Trudel zu begegnen. Die Nachfolgerin von Jesus Christus wurde vom Heiligen Geist ausgerüstet, um Krankheiten zu heilen und Seelen zu retten. Täglich fanden bis zu sechs Andachten für die Gäste statt. Lesungen aus der Heiligen Schrift und Lobpreis waren Bestandteile der segensreichen Gemeinschaft mit den Patienten. Das Gebet für physische und psychische Leiden bildete den Standard. Mehr als 90 schriftlich dokumentierte Genesungen und viele mündlich überlieferten Wunder bezeugen, dass Gottes Wort die wahrhaftige Medizin ist. Im Verlaufe der historischen Ereignisse übernahm Samuel Zeller die Heilanstalt am Zürichsee. Heute gehören zum «Bibelheim» unter anderem ein Altersheim, ein Tageszentrum und eine Arztpraxis.

Auf der Rückseite der Kapelle ist ein Zitat aus dem Alten Testament und ein Zitat aus dem Neuen Testament in die Mauer eingraviert. Ich möchte die Passage aus Johannes 15 erwähnen, wo Jesus einen Zusammenhang zwischen dem Gehorsam des Gläubigen und der Freundschaft mit Gott erwähnt – siehe Vers 14:

«Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was immer ich euch gebiete.»

Dorothea wuchs mit zehn Geschwistern und ihren Eltern im Kanton Zürich auf. Der Vater liebte den Alkohol, die Mutter verschenkte ihr Herz dem Heiland. Bereits in der Kindheit arbeitete Dorothea als Seidenweberin und besuchte die Schule nur vier Jahre lang in unregelmässigen Abständen. Nach einem schrecklichen Erlebnis im Alter von 22 Jahren erkannte sie ihren verlorenen Zustand vor Gott und entschied sich, das Eigentum von Jesus zu werden. Daraufhin litt Dorothea an einer geheimnisvollen Verkrümmung des Rückens, später traten Herzattacken auf.

Mehr als ein Dutzend Jahre nach ihrer «Bekehrung» wurde Dorothea mit dem Heiligen Geist erfüllt. Dies passierte, nachdem sie in einer Versammlung von Gläubigen das Abendmahl nicht nehmen durfte und die Frage kam, ob sie die Kraft aus der Höhe empfangen hatte. Eine Nacht im Gebet und eine schwierige Situation mit ihrem Neffen bewirkten einen Sinneswandel. Der HERR offenbarte ihre fromme Fassade. Selbstsucht und Stolz mussten weichen, bevor sie gesund werden konnte.

Danach begann ihr wertvoller Dienst in Demut und Liebe mit der himmlischen Autorität aus Gottes Königreich. Lahme, Blinde oder Taube kamen nach Männedorf und suchten Hilfe bei Dorothea. Depressionen, Entzündungen, Stoffwechselstörungen, Kopfschmerzen, Rheuma, Geschwüre, Darmbeschwerden, Probleme mit der Leber und dem Rückenmark sowie viele weitere Krankheiten wurden durch das Gebet im Namen von Jesus Christus geheilt.

Grundsätzlich hatte Dorothea ein kindliches Vertrauen in den HERRN und lehnte pharmazeutische Mittel ab. Wenn jemand nach einem «irdischen» Arzt verlangte, wurde ihm diese Bitte dennoch gewährt. Die mutige Jungfrau betreute ihre Patienten Tag und Nacht. Für Kost und Logis verlangte sie von den Reichen 10 Franken pro Woche und von den anderen Leuten 5 Franken. Die Armen erhielten kostenlos Betten und Mahlzeiten.

Dorothea betete nicht nur für ihre Gäste, sondern verkündete auch das Evangelium in seiner Fülle. Ermutigung und Ermahnung bildeten eine Einheit. Der Heilige Geist überführte die Zuhörer und es geschahen erstaunliche Dinge. So wurden einem Schmied die Augen über seinen moralischen Zustand geöffnet. Im Vorfeld plante dieser Mann einen Anschlag auf die Jüngerin des HERRN, dann bekehrte er sich zum Heiland und bekannte seine Sünden.

Jesus Christus bezahlte mit seinem kostbaren Blut deinen Schuldenberg und starb an deiner Stelle am Kreuz. Nach drei Tagen verliess der Messias das Grab und öffnete die Türe zu Gott. Nun haben wir die Möglichkeit, von dieser erstaunlichen Gnade zu profitieren. Das ist Liebe.

Folge dem Rettungsplan Gottes und verlasse die Autobahn in die Hölle. Tritt auf die Bremse und beende deinen Egotrip. Kehre um in die Arme des himmlischen Vaters und beanspruche die Vergebung deines Schöpfers. Bereue deine Sünde und beerdige im Wasser der Taufe deine toxische Vergangenheit. Dann bekommst du den Heiligen Geist und eine gereinigte Identität als Kind des Lichts.

Neugeborene Christen sind hoffnungsvolle Botschafter von Jesus und das Salz für eine geschmacklose Welt. Tatsächlich erteilte der Heiland seinen Jüngern den Auftrag für die globale Mission, die bis dato läuft – siehe Markus 16, Verse 15 bis 18:

«Und er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Diese Zeichen aber werden die begleiten, die gläubig geworden sind: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden, Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden.»

Heilung und weitere Gaben des Heiligen Geistes sind im ersten Brief an die Korinther im Kapitel 12 beschrieben. Dorothea erwähnte in der Hausgemeinschaft die Voraussetzung für die Salbung aus dem Himmelreich. Es handelt sich um den neuen Bund zwischen Gott und den Menschen, der durch den Tod und die Auferstehung von Jesus besiegelt wurde. Neugeborene Christen sind königliche Priester und auserwählt, die Werke des HERRN zu tun.

In der Biografie von Dorothea, die 1971 von Konrad Zeller herausgegeben wurde, findest du auf Seite 72 und 73 eine starke Aussage über die Superkraft von oben. Es handelt sich um die Salbung des Heiligen Geistes, der den Nachfolgern von Jesus unterschiedliche Gaben wie Heilung, Weisheit oder Prophetie verleiht:

«Wir haben’s im Neuen Bund viel herrlicher: wir können alle Könige sein. Durch das Salben kamen Kräfte auf die Könige. Wenn wir wahrhaftig zum königlichen Priestertum gehören, sollten wir durch die Salbung des Geistes nicht auch Kräfte bekommen, mit Handauflegung und Gebet Kranke zu heilen? Wenn wir nicht nur ein Levitengewand tragen, nein, gesalbt sind an Leib und Seele, wenn wir uns hingeben zu Gefässen seiner Gnade, dann ist es seine Sache, zu segnen. O dass wir bereit wären, nichts mehr zu tun, als was Gott selber will getan haben, dann hätten wir alle heute einen rechten Geburtstag!»

Immer wieder betonte Dorothea die Beziehung mit Gott, welche die Grundlage für einen Christen sein muss. Selbstverleugnung und Nächstenliebe sind der Nährboden für eine superstarke Freundschaft mit dem Heiland. Jeder Sieg kommt durch das ernstliche Gebet im Namen von Jesus. Wenn sie den Kranken die Hände auflegte, berief sie sich auf Jakobus 5, wo der Glaube und das Bekenntnis der Schuld dazu gehören – siehe Verse 14 bis 16:

«Ist jemand von euch krank? Er soll die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen lassen; und sie sollen für ihn beten und ihn dabei mit Öl salben im Namen des HERRN. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der HERR wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, so wird ihm vergeben werden. Bekennt einander die Übertretungen und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Das Gebet eines Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist.»

Nebst dem Gebet für die Kranken war der Kampf gegen die religiöse Heuchelei ein Anliegen der Schweizer Glaubensheldin. Lauwarme Gläubige und ein scheinheiliges Christentum gaben Anlass zur Kritik. So lesen wir auf Seite 40 und Seite 41 der Biografie über die Leidenschaft von Dorothea für die Familie Gottes und die Apostelgeschichte:

«Sie fühlte sich nicht berufen, zu lehren oder die Bibel auszulegen, sondern die vor ihren Augen vorüberziehenden Verse gaben ihr Anknüpfungspunkte, von den Dingen zu reden, die ihr am Herzen lagen. Ihre Rede war nicht so sehr ein Unterricht, sondern ein Zeugnis, das sie für die Treue, Heiligkeit und Kraft Gottes ablegte. Wenn sie von ihren eigenen Erfahrungen sprach, gab der Reichtum ihres inneren Lebens ihrem Wort eine grosse Autorität. Sie war streng, aber doch auch wieder sehr ermutigend. Bis in ihre letzte Verschanzung verfolgte sie lauwarme und halbweltliche Frömmigkeit. Sie wollte um jeden Preis die Seelen in persönliche Beziehung zum lebendigen Heiland bringen, ohne Furcht, dabei einen falschen Frieden zu trüben und eingebildete Hoffnungen zu zerstören. Die Erinnerung an die 15 fruchtlosen Lebensjahre vor ihrer wahren Bekehrung drängte sie, jeden zu veranlassen, die Verheissungen Gottes ernst zu nehmen und nach völliger Befreiung von der Sünde und nach einem Leben ganzer Hingabe an Jesus zu trachten.

Was sie dem einzelnen anempfahl, hätte sie gerne in der ganzen Gemeinde verwirklicht gesehen. Sie war traurig über den Mangel an geistlichen Gaben, der ihr überall entgegentrat. Mit grossem Ernst betonte sie die Notwendigkeit des Christentums, wie man es zur Zeit der Apostel kannte, und dass die wahrhaft umgewandelten Herzen eine überströmende Ausgiessung des Heiligen Geistes erleben müssten. Ihre Ansprachen brachten so viel Anregung, dass man den vier täglichen Versammlungen bewohnen konnte, ohne zu ermüden. Mit immer neuer Freude und Erwartung nahmen jung und alt ihre Plätze ein, zuerst um den allgemeinen Tisch und später, als die Zahl der Kranken sich vergrössert hatte, in einem kleinen, diesem Zweck entsprechenden Saal.»

Kurioserweise wurde Dorothea von der Stadtverwaltung für die unerlaubte (!) Behandlung von Kranken angeklagt und musste 60 Franken bezahlen, weil sie gegen die Vorschriften aus dem Gesundheitswesen verstossen habe. Trotz Verleumdungen aus der Nachbarschaft und ungerechtfertigten Strafanzeigen der Behörden, war sie bis zum Schluss im Auftrag des HERRN unterwegs und ging im Alter von 48 Jahren in die himmlische Heimat. Speziell beeindruckt hat mich eine Aussage von ihr, die im Buch mit den zwölf Hausandachten von 1863 zu finden ist. Auf Seite 6 vergleicht sie die Heilung von einer Krankheit mit dem Heil eines Menschen:

«Die ganze Bibel zeugt von der Wunderkraft Gottes. Welches sind die grössten Wunder? Sind es die Heilungen der Blinden und Lahmen? Jesus sagt: «Freuet euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freuet euch aber, dass eure Namen im Himmel angeschrieben sind». Das ist ein Wunder, wenn eine Seele aus einem Kind des Zorns ein Zionsbürger wird, dass sie sagen kann: «Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.» Das sind rechte Wunder, wenn Seelen ihren Wandel so im Himmel führen, so losgetrennt vom Irdischen sind, dass nichts ihnen mehr Freude macht, als Jesus, und nichts mehr Kummer, als die Sünde, und dass keine Verleugnung irgend einer Art sie anficht.»

Das Vorwort zum Buch schrieb Samuel. Der tapfere Mitarbeiter von Dorothea sagte einmal, dass Gott in seinem Königreich nicht nur ein Sanitätsdepartement, sondern auch ein Erziehungsdepartement hat. Tatsächlich sollte der Prozess der Heiligung in der Agenda eines Gläubigen Priorität haben. Es dreht sich nicht nur um Heilung im klassischen Sinne. Vielmehr ist die geistliche Gesundheit des Menschen entscheidend. In Matthäus 18 erklärt Jesus, dass die Versuchung der Sünde das eigentliche Problem ist. Ein makelloser Körper rettet dich beim letzten Gericht nicht vor dem See aus Feuer – siehe Verse 7 bis 9:

«Wehe der Welt wegen der Anstösse zur Sünde! Denn es ist zwar notwendig, dass die Anstösse zur Sünde kommen, aber wehe jenem Menschen, durch den der Anstoss zur Sünde kommt! Wenn aber deine Hand oder dein Fuss für dich ein Anstoss zur Sünde wird, so haue sie ab und wirf sie von dir! Es ist besser für dich, dass du lahm oder verstümmelt in das Leben eingehst, als dass du zwei Hände oder zwei Füsse hast und in das ewige Feuer geworfen wirst. Und wenn dein Auge für dich ein Anstoss zur Sünde wird, so reiss es aus und wirf es von dir! Es ist besser für dich, dass du einäugig in das Leben eingehst, als dass du zwei Augen hast und in das höllische Feuer geworfen wirst.»

Am Freitag (04.09.2022) fuhren wir mit dem Zug nach Männedorf und schauten uns das berühmte Bibelheim genauer an. Der verheissungsvolle Name basierte ursprünglich auf der Gebetsheilanstalt von Dorothea und Samuel. Die sehenswerte Anlage umfasst unterschiedliche Gebäude und machte einen guten Eindruck. Was mich besonders freute war, dass hier Gottes Wort eine Rolle spielt. Sowohl im Altersheim Emmaus als auch bei der Arztpraxis ist Jesus Christus ein Thema. Halleluja!

Im medizinischen Zentrum trafen wir Timotheus, dessen Geschichte mit Gott im letzten Jahr auf superkraft.ch veröffentlicht wurde. Es handelt sich um einen gläubigen Arzt, der früher in Ostafrika unterwegs war und dort Einsätze geleistet hat. Kürzlich wurde die Praxis mit den modernen Räumlichkeiten eingeweiht. Für Patienten wird gebetet, falls jemand die übernatürliche Hilfe aus dem Himmelreich in Anspruch nehmen will. Heilung und Heiligung kommt von Gott. Übrigens, die erste Kundin nach der Eröffnung war eine Missionarin aus Ghana…

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